Friedrich Gottlob Lehmann (1805-1869)
 
  Tagebuch 
In einem sorgfältig geführten Tagebuch hält er die Zeit vom Herbst 1826 bis zum Frühjahr 1830 fest. Die Anfänge seiner Fabrikationstätigkeit sind geprägt von vielfältigen Erfahrungen. Mägde und Knechte im eigenen Haushalt, Spulerinnen, Tuchknappen, Wollhändler und Gerbermeister, Walkmüller und Anschläger illustrieren anschaulich die Entstehung der Textilfabrikation. In Hainichen und Umgebung bewegt sich FG Lehmann vor allem in der kleinstädtischen Ober- und Mittelschicht, in deren soziale und kulturelle Gepflogenheiten seine Aufzeichnungen einen ebenso konkreten Einblick vermitteln wie in die kleinstädtische Öffentlichkeit. 
Die häufigen Messebesuche in Leipzig zeigen ihn im Umgang mit welterfahrenen Kaufleuten und lassen ihn am bedeutenden kulturellen und politischen Leben der Stadt teilhaben. Sie vermitteln ihm aber auch die ökonomische Grundtendenz jener Zeit, das wachsende Missverhältnis von Fabrikationspreis und Käuferangebot, welches Lehmann schon früh dazu bewegt, nach unternehmerischen Auswegen zu suchen. Sein Interesse für Maschinerie stößt neue Kalkulationenen an, sein Bemühen für Qualitätsverbesserungen führt ihn zum Freiberger Professor Lampadius, und die Einsicht in die Notwendigkeit industrieller Fabrikation lässt ihn Ausschau halten nach geeignetem Gelände für "Maschinerie am Wasser". Verwoben, verwickelt, verzwickt sind diese Anfänge des Textilunternehmers mit dem Bemühen um seine künftige Lebensgefährtin Emma Böhme (1810-1870) aus Oederan, Adoptivtochter des Hainichener Apothekers und Stadtrichters Wilke sowie den Eigenarten der beteiligten Familien. 
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