Rezensionen

Aar-Bote / 26.08.2008

Ein „leben" voller Liebe und Kampf
Ehemalige Heidenroderin liest im Gemeindehaus Kemel aus ihrem vierten Roman vor

Von Sabine Bongartz
KEMEL Hilde Möller hat leben dürfen, aber auch leben müssen, ständig gekämpft und mehrere Schicksalsschläge erlitten. Sie wohnte in Isfahan, Brüssel, Ankara, Madrid und kehrte 1992 nach Deutschland zurück. Mit 31 Jahren hatte sie sieben Kinder in acht Jahren zur Welt gebracht - in den 50er Jahren, als Pille, Gleichberechtigung oder Selbstbestimmung noch Fremdwörter waren.

Viele der Besucher ihrer Lesung im evangelischen Gemeindehaus Kemel kennen die Autorin noch aus der Zeit, als sie in Niedermeilingen lebte und duzen die gebürtige Stuttgarterin, die heute in Mainz wohnt. Nach drei Romanen in fünf Jahren und einer anschließenden vierjährigen Schaffenspause hat sie nun in dem Buch „leben" ihr bewegtes und bewegendes Dasein aufgeschrieben. Den Titel lässt sie mit Absicht klein geschrieben wirken, „weil es sich um eine Aktivität handelt", erklärt Möller.

Die Protagonistin des Buches heißt Hannah, doch bei der Beantwortung der Zuhörerfragen im Anschluss an ihre Lesung rutscht die Autorin automatisch immer wieder in die Ich-Form und verrät so: „Hannah gleich Hilde". Die nächste Auflage wolle sie deshalb auch als reine Autobiographie bezeichnen. Da sie nie Tagebuch geführt habe, hätte sie 50 Jahre alte Dialoge natürlich nur mit einer gewissen künstlerischen Freiheit wiedergeben können und sich somit verpflichtet gefühlt, das Wort Roman hinzuzufügen.

Zwischen Herbstblumen, Lautsprechern und ihrem Exposé sitzt nun eine Frau, die niemals aufzugeben scheint. Die sich nach der Schule zur Hotelfachfrau ausbilden lässt und nach der Geburt von sieben Kindern auch noch zur Zahnarztassistentin. Das Schreiben sollte all die Jahre noch ein Traum bleiben, bis 2000 ihr erster Roman erschien.

Nach Sterilisation, Depression, Alkoholsucht und der erfolgreichen Überwindung all dessen mit Hilfe einer Psychoanalyse bricht Hilde Möllers herzkranker Mann Georg beim Spaziergang tot zusammen. Damit beginnt auch das erste Kapitel ihres nunmehr vierten Buches. Ein Jahr später fällt ihr jüngster Sohn einem Raubmord zum Opfer. Die Autorin gesteht sich selbst ein, dass das Schreiben ihres Buches sie letztendlich am Leben gehalten habe -„sonst wäre ich vielleicht nicht mehr hier".

Die gelesenen Passagen geben wichtige Stationen ihres Lebens wieder, unterbrochen von den passenden musikalischen Klängen vom Band. Dabei stehen Violine und Cello für die gelebte Trauer und türkische Weisen oder die spanische Gitarre für die entsprechenden Zeiten im Ausland. Die Zuhörer zeigen sich amüsiert von den humorigen Textstellen, aber auch teilweise sehr ergriffen vom erzählten Schicksal dieser Frau.

Dazu gehören nicht nur Scheidung oder Tod, sondern gerade in der Jugend der ständige Kampf gegen die gesellschaftlichen Zwänge und Vorgaben. „Die Jahre zwischen 1950 und 60 waren die verlogensten Jahre überhaupt!" ruft Hilde Möller heute noch voller Empörung aus. Die Trümmerfrauen hatten eigentlich mehr als bewiesen, eigenständig das Leben meistern zu können. „Und plötzlich fing man wieder an mit niedlichen Petticoats und trat freiwillig in die zweite Reihe zurück."

Der Mann gab den Lebensweg vor - im Buch wie im Leben. Der Papst höchstpersönlich verbot ihr auf Nachfrage des Arztes die Sterilisation nach dem fünften Kind. „Hannah entschied nicht mehr", so schreibt Hilde Möller, „sie wurde entschieden". Sie hatte insofern Glück, dass ihr Mann sich in den 43 gemeinsamen Jahren ebenfalls änderte und den Kampf um Selbstachtung und Gleichberechtigung mitging. Sie bewundert dieses Mitwachsen des Partners noch heute, „denn er hätte sich, von der Gesellschaft gestützt, auch gegen sie stellen können". Vor allem auch die männlichen Zuhörer honorieren, in Worten und spontanem Applaus, Möllers großen Mut zur Ehrlichkeit, ihren Bewusstwerdungsprozess und die angewandte Lebenshilfe, die aus „leben" hervorgeht. Dieses Wort mag Hilde Möller allerdings gar nicht hören, denn „es ist nichts dadurch leichter geworden!"

Dass diese selbstbewusste, gefasste Persönlichkeit in ihrer Jugend so stark von Selbstzweifeln geprägt gewesen sein soll, mag anfangs so recht niemand glauben. Doch zum Verständnis trägt das Buch bei, dessen wichtigstes Anliegen lautet: Wir mussten immer kämpfen. Ihre Kinder hatte sie um Erlaubnis gefragt, aus Angst, sie könnten ihre Zeilen als Angriff verstehen Die betitelten „leben" mittlerweile aber sogar als Liebesroman, freut sich die Mutter.


 
Hilde Möller stellte ihr Buch .,leben" vor. Foto: wita / Fromme

 


 

Mainzer Wochenblatt / 07.08.2008

„leben" lernen wie Hilde Möller
Hilde Möller veröffentlicht bereits ihren vierten Roman „leben".

Während Hilde Möller las, hörten alle gebannt zu.

Mainz (kf) - Vergangene Woche lud die Neumainzerin Hilde Möller zu einer Lesung aus ihrem neuen Roman „leben" ins Rathaus ein. Nicht etwa „das Leben", sondern die Aktion, die Tat zu „leben" ist gemeint. Es ist ein autobiographischer Roman Möllers und die Handlung wird kurz beschrieben: „Zwei Ehen, drei Männer, vier Länder und viele Kinder. Glück und Selbstzweifel. Aufbrüche, Zusammenbrüche, Schicksalsschläge - leben!"

Die Geschichte einer Frau, die grundsätzlich an sich gezweifelt hat. Als sie sich mehr oder minder spontan mit ihrem frisch angetrauten Harald nach Persien aufmacht, tut sie dies erstmalig ohne vorher zu grübeln und das Thema auszudiskutieren. Die Ehe scheitert nach kurzer Zeit. Wieder in Deutschland lernt sie Georg kennen, den Mann fürs Leben, der jedoch mit seinem Selbstwertgefühl immer ein Stückchen besser scheint. Auf dem Weg von Stadt zu Stadt, von Land zu Land hat Hannah immer wieder die selben Zweifel, doch es kommt ein Kind nach dem anderen zu Welt, sieben insgesamt, bis sie sich zu einem Schritt entscheidet, der sie in die tiefsten Depressionen stürzen wird. Doch die Ehe wächst an Hannahs neu gewonnener Stärke, und nach langen Jahren scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Wie Hannahs Leben weitergeht, soll nicht verraten werden - das Werk ist im Alkyon Buchverlag erschienen und ist im Buchhandel erhältlich.

Während der Lesung unterstützt wurde Hilde Möller von Bernd Bott am Keyboard, der in den Gedanken- und Lesepausen Möllers die Zuhörer gekonnt in ihren Gefühlen begleitete. Christiane Gerhardt, die Schwester Möllers und Präsidentin des Seniorenbeirats, hatte den Vorlese-Abend gestaltet und organisiert.

 


 

Harter Weg zu Selbstbewusstsein und Glück

Autorin Hilde Möller liest auf Einladung des Seniorenbeirats aus ihrem autobiographischen Roman "Leben"

Von Michael Heinze 31.07.2008

ALTSTADT Diese Premiere war ein voller Erfolg: Gut 100 Zuhörer wollten bei der ersten Lesung vom Arbeitskreis "Leben und Wohnen in Mainz" des Seniorenbeirats im Valencia-Zimmer des Rathauses dabei sein. Der Mainzer Schriftstellerin Hilde Möller gelang es, die Besucher mit ihrem autobiografischen Roman "Leben" in der Seele zu berühren.

"In dem Buch geht es im Grunde darum, dass meine Generation doch noch sehr in Hierarchiedenken erzogen worden ist", verriet die Autorin der AZ kurz vor Beginn der Lesung. "Und wie man sich von diesem Hierarchiedenken und fehlendem Selbstvertrauen befreien kann."

Hannah, die Protagonistin in Hilde Möllers viertem Roman, geht das Selbstwertgefühl völlig ab. Aber sie träumt von mehr als Kindern, Kochen, Einkaufen, Putzen, Waschen und Bügeln. Sie kämpft um Selbstwert, um Gleichberechtigung, um Gleichwertigkeit in der Partnerschaft. Ihr Weg ist hart. Gepflastert mit beinahe unüberwindbaren Krisen. Mit Rückschlägen. Alkoholproblemen. Zusammenbrüchen. Aus Träumen werden Alpträume, so dass sich Hannah fragt, ob sich das Weiterleben überhaupt noch lohnt. Sie entscheidet sich für das "Leben".

Mal schmunzelten die Leute in den voll besetzten Stuhlreihen, mal lachten sie leise - doch bei den ernsten, tief traurigen Passagen bekamen selbst hart gesottene Mannsbilder feuchte Augen. Die gleichermaßen eindringlichen wie anschaulichen Schilderungen von Situationen und Befindlichkeiten nahmen die Zuhörer gefangen. Bewegend vor allem die Stelle am Anfang, als Hannahs Mann Georg - mit dem sie 43 Jahre zusammen war - eines Tages bei einem gemeinsamen Spaziergang auf einem einsamen Wiesenstück tot zusammenbricht - und ihr Leben seinen Sinn zu verlieren scheint.

"Am Schreiben mag ich, dass ich hier meine Kreativität und Fantasie spielen lassen kann", erläuterte Hilde Möller, die in Stuttgart geboren wurde, 35 Jahre lang im Ausland - davon 28 Jahre in Madrid - lebte und nun seit fünf Jahren in Mainz wohnt. "In Romanen Menschen zu erschaffen, macht mir Spaß. Ich wundere mich immer, wie sie sich dann verselbständigen."

 

 

 

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